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Biographie – Moritz Meurer
1839
Moritz Meurer wird am 9. April in Waldenburg (Sachsen), als vierter Sohn eines Archidiakons geboren. Durch den Beruf des Vaters und dessen Interesse besonders am Kirchenbau kommt Meurer schon in der Kindheit in Kontakt mit der Kunst. Er besucht das humanistische Gymnasium in Zwickau.
1856
Beginn des Malereistudiums an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in Dresden. Seine Lehrer sind Julius Schnorr von Carolsfeld und Ludwig Richter. Richter unternimmt mit seinen Schülern in den Sommermonaten Exkursionen in die Umgebung Dresdens, Meurers Hinwendung zur Natur könnte hier ihre Wurzeln haben. Auch der Photograph August Kotzsch erlernte von Ludwig Richter erste künstlerische Grundlagen.
1860
Wechsel an die Akademie der Künste nach München und Beendigung des Studiums; Gemälde für die Kirche in Callenberg, die heute noch erhalten sind.
1867
Umzug nach Berlin, wo er zahlreiche Aufträge für Malereien erhält, zum Beispiel für das Preußische Arbeits- und Kulturministerium, das Kriminalgericht in Moabit, das Kadettenhaus in Lichterfelde, das Verwaltungsgebäude der Berlin-Hamburger Eisenbahn und für die Villa des Bankiers Liebermann. Sämtliche Gemälde sind im Zweiten Weltkrieg zerstört worden.
1869
Beginn der zunächst vorübergehenden Lehrtätigkeit an der Unterrichtsanstalt des Königlichen Kunstgewerbemuseums in Berlin.
1871
Aufnahme der dauerhaften Lehre an der Unterrichtsanstalt.
1872
Erste Reise Meurers nach Italien, die fast ein Jahr dauert. Dort fertigt er zahlreiche Studien sowie Skizzen der Kunststätten und der Landschaft an.
1875–77
Weitere Exkursionen mit Schülern der Unterrichtsanstalt nach Italien, um die Wand- und Deckenmalereien der Renaissance zu studieren.
1878
Die erste Publikation Italienische Flachornamente aus der Zeit der Renaissance, Intarsien, Flachreliefs, eingelegte Marmorarbeiten etc. zum Gebrauch für Architekten und Handwerker als Vorlagen für Kunstgewerbliche und Zeichenschulen erscheint.
1878/79
Meurer wird Leiter der Werkstatt für „Dekorative Malerei“ an der Unterrichtsanstalt.
1881
Der Neubau des Kunstgewerbemuseums wird eröffnet (Martin-Gropius-Bau), Meurer ist an der Ausgestaltung der Innenräume beteiligt (Majolica-Saal). Er erhält aus diesem Anlass den Professoren-Titel.
1883
Meurer verlässt die Unterrichtsanstalt, um sich in Italien niederzulassen.
Ab 1884
Er lebt dauerhaft in Rom, in der Via Margutta. Meurer widmet sich zunächst der eigenen künstlerischen Arbeit, verbunden mit dem Studium des südlichen Pflanzenreichtums. Die im Archiv der Universität der Künste Berlin belegten Dokumente wie Briefe, thematische Abhandlungen, Protokolle etc. machen Meurers Pläne zur Einführung des Naturformenstudiums detailliert deutlich.
1889
Meurers kunstpädagogische Schrift Das Studium der Naturformen an kunstgewerblichen Schulen. Vorschläge zur Einführung eines vergleichenden Unterrichts erscheint. Der Text erregt große Aufmerksamkeit, Aufenthalte Meurers in Dresden, Karlsruhe und Genua schließen sich an, wo er wahrscheinlich seine Ideen vortrug.
1890
Das Preußische Abgeordnetenhaus billigt Meurer Mittel zur Einrichtung einer Naturstudienklasse zu, deren Unterrichtsmaterial in Rom erarbeitet und zusammengestellt werden soll. Die ersten Stipendiaten treffen zu Meurers Unterstützung in Rom ein.
1891
Moritz Meurer wird Vorsitzender des deutschen Künstlervereins in Rom.
1891/92
An der Unterrichtsanstalt in Berlin führt Moritz Meurer das Pflanzenformenstudium in der Unterklasse und in der Tagesklasse durch.
1892
Karl Blossfeldt kommt auf Wunsch von Meurer als Modelleur nach Rom.
1893
Meurer wiederholt seine bereits 1891/92 durchgeführten Kurse an der Unterrichtsanstalt in Berlin, der Stipendiat und Maler Heinrich Homolka begleitet ihn.
1895
Pflanzenformen. Vorbildliche Beispiele zur Einführung in das ornamentale Studium der Pflanze erscheint.
1896
Der Aufsatz „Die Ursprungsformen des griechischen Akanthusornamentes und ihre natürlichen Vorbilder“ wird publiziert.
1899
Meurer’s Pflanzenbilder. Ornamental verwerthbare Naturstudien für Architekten, Kunsthandwerker, Musterzeichner pp. mit Photographien von Karl Blossfeldt erscheint. Im neu errichteten Abgeordnetenhaus in Berlin befindet sich ein in Bronze gegossener Lichtträger am Treppenabsatz, der in Entwurf und Ausführung auf Meurer und Blossfeldt zurückgeht.
1902
Im Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts erscheint ein Aufsatz über den Goldschmuck der mykenischen Schachtgräber (Band XVII, Erstes Heft, 10. April), weitere archäologische Aufsätze folgen in den Jahren 1912 („Zu den Sarkophagen von Kazomenai“, Band 27) und 1914 („Form und Herkunft der mykenischen Säule“, Band 29).
1903
Meurer und Blossfeldt nehmen an der Kunstgewerbeausstellung in Leipzig teil, die den Schwerpunkt „Die Pflanze in ihrer dekorativen Verwertung“ hat.
1909
Die umfassende Publikation Vergleichende Formenlehre des Ornamentes und der Pflanze. Mit besonderer Berücksichtigung der Entwicklungsgeschichte der architektonischen Kunstformen erscheint, damit verbunden eine Ausstellung in der Akademischen Hochschule für Bildende Künste in Berlin.
1910
Offizielles Ende der Zusammenarbeit zwischen Meurer und der Unterrichtsanstalt.
1914
Meurer verlässt Rom und lebt fortan in Dresden, in der Nähe seiner Geschwister Siegfried und Coelestin.
1916
Moritz Meurer stirbt am 3. November in Dresden. Zwei Jahre später wird, wie im Testament gewünscht, die Urne auf dem protestantischen Friedhof in Rom beigesetzt.
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