 Katalogcover mit der Photographie von Walker Evans: Pabst Blue Ribbon Sign, Chicago, Illinois, 1946 © Walker Evans Archive, The Metropolitan Museum of Art, New York
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Walker Evans. Decade by Decade
Eine Ausstellung des Cincinnati Art Museum, kuratiert von James Crump
Eröffnung am Donnerstag, 20. September, 19 Uhr
Fraglos ist Walker Evans (1903–1975) einer der ganz Großen in der Geschichte der Photographie. Sein Verdienst für die Akzeptanz des Mediums als künstlerisches Ausdrucksmittel, insbesondere des dokumentarischen Ansatzes, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Und so ist die Möglichkeit, eine Ausstellung mit originalen Aufnahmen zu präsentieren – so sehr sich sein Werk auch als feste Bezugsgröße in der photographischen und künstlerischen Fachwelt verankert hat – etwas ganz Besonderes. Es vermag sich angesichts der ausgestellten Vintageprints, die eine spezifische Tonalität, Ausschnittwahl sowie Bearbeitungs- und Alterungsspuren aufweisen, eine große Nähe, womöglich ein unmittelbarer Dialog zwischen Betrachter und Photograph einzustellen. Es werden uns Bilder, gleichsam Zeitzeugnisse, geboten, die Evans’ photographische Auffassung unmittelbar nachvollziehbar machen und die ein überzeugendes Ausgangsmaterial zur Verständigung zwischen den Zeiten bieten. Wird der Name Walker Evans genannt, so denkt man unwillkürlich an jene Bilder, die er Mitte der 1930er-Jahre zur Zeit der Großen Depression in Amerika im Auftrag der Farm Security Administration (FSA) anfertigte. Während dieser frühe Werkbereich bislang die Rezeption weitgehend bestimmt hat, blieben jene Arbeiten, die in den nachfolgenden Jahrzehnten entstanden, in der Öffentlichkeit vielfach unbeachtet.
Die Ausstellung Decade by Decade zeichnet, ausgehend von der Wiederentdeckung Evans’ Anfang der 1970er-Jahre, alle Schaffensphasen des Photographen nach. Neben den erwähnten Aufnahmen des amerikanischen Südens für die FSA (1935/36) wird exemplarisch auch die Serie von viktorianischen Häusern vorgestellt, die Evans 1931 begonnen hatte. Decade by Decade zeigt zudem seltene Bilder seiner Reise nach Tahiti im Jahr 1932, eine Auswahl seiner 1933 im vorrevolutionären Kuba entstandenen Photographien sowie ein Konvolut von Aufnahmen afrikanischer Skulpturen und Masken, erarbeitet 1935 für das New Yorker Museum of Modern Art. Aus der frühen Schaffensphase kommen des Weiteren viele bekannte Porträts, etwa von Lincoln Kirstein, James Agee und Hart Crane, vor. Und es erweist sich, so vielseitig sein Oeuvre ist, so vielseitig sind auch die in der Ausstellung aufgezeigten Motivkreise. In diesem Sinn untersucht die Ausstellung unter gleichzeitiger Berücksichtigung der 1940er-, 1950er und 1960er-Jahre – die Zeit in der Evans für die Zeitschrift Fortune gearbeitet hat – auch die letzten Werke, die der Photograph mit der damals neuen Polaroid SX-70 in den frühen 1970ern gemacht hat.
„Während seiner Schaffenszeit, die fünf Jahrzehnte umfasst, hat Evans das amerikanische Bewusstsein radikal verändert, wenn nicht sogar die kollektive Erinnerung des Landes geprägt: Seine Photographien revidierten die Sicht der Amerikaner auf sich selbst und auf ihr Land“, erläutert der Kurator James Crump am Cincinnati Art Museum, wo die Ausstellung ihren Ausgangspunkt hatte.
200 der in der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur in Köln gezeigten Exponate entstammen der amerikanischen Privatsammlung von Clark und Joan Worswick, begleitet von ausgewählten Werkgruppen deutscher Sammlungsprovenienz.
Zur Ausstellung erscheint der neu aufgelegte Katalog Walker Evans: Decade by Decade, Hrsg. Cinciannti Art Museum, Hatje Cantz Verlag, mit Texten in deutscher Übersetzung.
Am Samstag, dem 22. September 2012, um 15 Uhr, besteht die Gelegenheit, an einer Führung durch die Ausstellung mit dem Sammler, Autor, Photographiespezialisten und Filmemacher Clark Worswick, New York, teilzunehmen (in englischer Sprache).
Weitere Stationen: Landesgalerie Linz am Oberösterreichischen Landesmuseum: 27. Februar bis 26. Mai 2013 Huis Marseille, Amsterdam: 22. Juni bis 15. September 2013
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