|
Bernd und Hilla Becher (1931 – 2007, *1934)
Das Künstlerpaar Bernd und Hilla Becher verbindet mit der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur seit über zehn Jahren eine Kooperation. Gegenstand der Zusammenarbeit ist die werkgerechte Aufarbeitung des im Laufe von über 40 Jahren gewachsenen photographischen Archivs der Bechers.
Stellt sich das Werk des Künstlerpaars in der öffentlichen Rezeption ohnehin als enorm umfangreich dar, so liegt darüber hinaus noch eine weitere Fülle von Aufnahmen vor, die bislang weder als Abzüge noch in ihrer Verwendung hinsichtlich geplanter Werkgruppen ausgewertet werden konnten. Dies erfolgt nun auf Grundlage der Kooperation in kontinuierlicher Weise und mit Blick auf die Ausstellungs- und Veröffentlichungstätigkeit der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur, welche die Aufgabe übernimmt, zur Vervollständigung eines Gesamtwerkes unter Anleitung und Mitarbeit der Künstler beizutragen.
Der Fokus liegt dabei auf dem seit 1961 selbst gestellten Thema der Dokumentation von Industrieanlagen in ihrer Gesamtheit. Zur Erarbeitung dieses Stoffes stellen die Künstler einerseits ihre entsprechenden Werkgruppen aus dem vorhandenen Negativmaterial zusammen, andererseits schöpfen sie aus schon existierenden Bildbeständen, die gelegentlich durch noch zu ergänzende Aufnahmen aufgestockt werden. So ergibt sich nach und nach eine das Gesamtwerk der Bechers reflektierende Sammlung, die nicht zuletzt für den internationalen musealen Leihverkehr bereitgestellt wird. Voraussetzung hierfür sind eine sachgemäße konservatorische Betreuung und eine Inventarisierung, welche die von den Künstlern vorgesehenen Ordnungsvorgaben für Publikationen und Ausstellungen als wichtige interpretatorische Kriterien aufnimmt. Auf breiter Ebene ergibt sich daraus ein bedeutender Fundus, der die Photographische Sammlung sukzessive zur Fortsetzung der Ausstellungs- und Publikationsarbeit zum Werk von Bernd und Hilla Becher befähigt.
Die Stärke des Œuvres erschließt sich besonders aus seiner Entwicklungsgeschichte sowie aus der Historie des von Bernd und Hilla Becher betrachteten Motivspektrums. Die von ihnen aufgenommenen Objekte und Anlagen gehörten oftmals bereits kurze Zeit, nachdem sie dokumentiert waren, der Vergangenheit an, standen infolge von Betriebsauflösungen zum Abbruch bereit und verschwanden vor allem in ihrer Vollständigkeit buchstäblich von der Bildfläche. Im günstigsten Fall blieben sie teilweise als Kulturdenkmäler erhalten oder sind heute als umgenutzte Bauten oder in musealen Einrichtungen und Installationen erfahrbar.
Doch schon seit Beginn der 1960er Jahre hatten die Bechers, rechtzeitig den epochalen Wandel in der Montanindustrie erkennend, prägnante Ansichten von noch weitgehend funktionstüchtigen Bergwerks- und Hüttenanlagen, darüber hinaus aber auch von weiteren Industrie- und Wohnbauten, Großapparaturen und Konstruktionen in ihren Bildern aufzuzeigen gesucht, deren Funktion weitgehend auf der Förderung, Lagerung und dem Transport von Erzen, Kohle, Gestein- und Erdmaterialien beruht. Im Laufe ihrer unausgesetzten Tätigkeit erstellten sie, einem enzyklopädischen Arbeitsansatz folgend, ein Bildinventar, das einen großen Schatz zur Visualisierung wesentlicher Bereiche vorzugsweise der Bergbau- und Stahlindustrie darstellt. Der Kultur- und Technikgeschichte unseres Landes sowie weiten Teilen Westeuropas und Nordamerikas zugewandt, gingen sie ihrer Arbeit wechselnd zwischen den Ländern Deutschland, Niederlande, Belgien, Frankreich, Luxemburg und Großbritannien sowie in den verschiedenen Staaten der USA nach.
Dabei hatten sie zur Realisierung ihres Konzepts, das auf eine geschichtsrelevante photographische Dokumentation industrieller Bauten zielte, bereits sehr früh ein systematisches Vorgehen und eine differenzierte künstlerische Bild- und Formensprache entworfen, die in ihrer stilistischen Klarheit nach wie vor einzigartig ist und besonders im Kontext der Concept Art einen besonderen Rang erwarb, ohne mit deren Absichten gänzlich synchron zu sein. So dürfen wichtige Traditionen, an welche die beiden Künstler anknüpfen, nicht außer Acht bleiben. Sie berufen sich vielfach auf die Frühzeit der Photographie, auf die Malerei des 19. Jahrhunderts und auf Positionen der Neuen Sachlichkeit. Des Weiteren weisen ihre Arbeiten Aspekte auf, die einer den Naturwissenschaften inhärenten, auf objektive Nachweisbarkeit gerichteten systematischen Denk- und Darstellungsweise entsprechen. Ferner verortet sich das photographische Werk von Bernd und Hilla Becher an Schnittstellen verschiedener Wissensgebiete, vor allem aber steht es innerhalb der Geschichte der bildenden Kunst und Photographie des 20. Jahrhunderts mit an vorderster Stelle.
Biographie
|