Die Photographische Sammlung
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This is how I remember, now. Portraits. Photographs by Jim Dine
26. September – 14. Dezember 2008

Mit dieser rund 80 Exponate umfassenden Ausstellung und seinem begleitenden motivisch umfangreicheren Buch gibt Jim Dine erneut Einblick in sein kontinuierliches photographisches Schaffen. Im Fokus stehen seine zwischen 2002 und 2007 entstandenen Bilder, subsumiert unter dem Begriff des Portraits. Ein Sujet, dem der Künstler durch seine Bearbeitung und Auffassung einen durchaus erweiterten Sinn gibt. Die aktuelle Auswahl führt weit in sein über Jahrzehnte mit unterschiedlichen Mitteln ausgeführtes Œuvre und spiegelt abwechslungsreich die Bandbreite von Dines künstlerischer Palette und Biographie. Durchgängig gelingt ihm eine individuell pointierte Auswahl und Gestaltung von Darstellungsinhalten, die als Metaphern für die menschliche Kommunikations- und Beziehungsfähigkeit interpretierbar sind, sich auf universell menschliche Eigenschaften beziehen, das Auffassungsvermögen und das daraus erwachsene kreative Potenzial, eingeschlossen die Themen von Vergänglichkeit und Tod, beleuchten. Er befragt via Selbstportrait die eigene Entwicklung, seine unterschiedlichen Reaktionen sowie Gefühlslagen und sucht, gleichfalls gerichtet auf einen für Dine bedeutungsvollen Personen- und Figurenkreis, seinen facettenreichen Visionen und Erinnerungen habhaft zu werden. Die Aufgabe gilt der Entdeckung des Ichs im Anderen oder auch umgekehrt des Anderen im Ich.

Die ihm beinahe alltäglich anbei stehenden Wesen, denen er sich in seinen Portraitbildern zuwendet, sind als Menschen oder von ihm geschaffene Kunstfiguren innerhalb ihrer von Jim Dine zugewiesenen Sphären unterschiedslos relevant, treue Begleiter und vor allem unversiegbare Quellen seiner Inspiration. Zunächst kann da seine Lebensgefährtin und Seelenverwandte Diana Michener benannt werden, die schon in zahlreichen vorhergehenden Photographien Modell seiner variationsreichen Anschauungen wurde, aber auch langjährige Freunde, Familienmitglieder und Künstlerkollegen wie Robert Creeley oder ferner Mary McCarthy kommen vor. Einige der in Dines photographischem „Notizbuch“ einbezogenen Personen sind zwar verstorben, doch die Unmöglichkeit ihrer persönlichen Präsenz überbrückt der Künstler, indem er beispielsweise anonym entstandene Erinnerungsphotographien heranzieht, die er sich allein schon durch seine individuelle Betrachtung zu eigen macht. So findet er für die Anwesenheit der Betroffenen erstaunlich anschaulich treffende Äquivalente.
Neben den verschiedenen Menschen verdienen auch Dines elementar bedeutungsvollen, aus seinem künstlerischen Programm heraus entwickelten Figuren nähere Erwähnung. Sie sind oft bereits im Arsenal seiner früheren Photographien, Malereien, Graphiken und Skulpturen verankert. Man trifft in unterschiedlichen Konstellationen auf die ausgestopfte Eule mit funkelnden Augen und den schwarzen, stolz erhabenen Raben, auf charaktervolle Pinocchiopuppen, die bei ihren imaginären Abenteuern gelegentlich von einem Porzellanaffen und einem Porzellanhahn begleitet werden. Man trifft auf Portraitstudien Pinocchios wie auch auf die seines Widersachers, des listigen Fuchses, die auf von Jim Dine meist in Holz erarbeitete Skulpturen zurückgehen, photographiert in seinem Studio kurz vor ihrer Fertigstellung. Ebenso basiert auch die photographische Ansicht eines Menschenaffen, der eine große Barbie-Puppe schultert, auf einer eigenen monumentalen bildhauerischen Ausarbeitung, die im Kampf der Geschlechter ein kraft- wie humorvolles Bild für die synergetische Verbindung gegensätzlicher Temperamente und Mächte entwirft.
Begegnet man in Dines Ablichtungen oft von ihm vormals nicht nur mit photographischen, sondern auch mit anderen künstlerischen Mitteln wiederholt in Betracht gezogenen Elementen, die durch die Umsetzung mit dem Medium der Photographie eine wiederum neue Modulation erhalten und sich häufig gegenseitig zitieren wie kommentieren, so tritt man in ein beinahe unüberschaubares Reich ineinander wirkender Energien, Wirklichkeitsanschauungen und Illusionen, in dem die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, zwischen Kunst und Leben fließend sind.

Alle Photographien des Projekts resultieren aus der puren Anwendung traditioneller Ablichtungsmethoden und einer auf Negativmaterial basierenden, konventionell vorgenommenen Vergrößerungsarbeit. Die Schwarzweißaufnahmen sind als Gelatinesilberabzüge und die Coloraufnahmen als chromogene Farbabzüge ausgeführt. In ihrer Qualität allerdings – schaut man einerseits auf die klar zeichnenden, aber auch zart verschmelzenden Grauwerte, andererseits auf das bemerkenswert eingesetzte Spektrum transparenter und satter Farbigkeit oder auch als weitere Möglichkeit auf die geschickte Kombination dieser üblicherweise in der Photographie getrennten Ton- und Farbwelten – so verrät sich deutlich das geschulte Auge des Graphikers und Malers.

„This group of portraits (a better title would be my meditation on ‘the face’) are images of people and myself, but more so they are me observing ‘the face’. Even the photographs of sculpture are me observing this face I’ve made in bronze or wood or clay and trying, as always, to bring it to life (consciousness) by the use of this occult tool – the camera. Every portrait I’ve made in photography has been informed by my lifetime romance with drawing. I’ve taught myself to "see" by drawing. The way the visage is invented either by nature or by the sculpture is a source of wonder to these eyes. That’s where the creation takes place. Looking.“ (Jim Dine, 2008)

Mit dem Projekt This is how I remember, now. Portraits. Photographs by Jim Dine nimmt die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur die Gelegenheit wahr, die seit mehreren Jahren bestehende Partnerschaft zwischen dem Künstler und der Institution fortzusetzen und einen ausgewählten Teil aus der stetig wachsenden großzügigen Schenkung des Künstlers zu präsentieren.

Das begleitende Katalogbuch wird vom Steidl Verlag herausgegeben (48 Euro). Mit Texten von Jim Dine, Susanne Lange und einer Einführung von Gabriele Conrath-Scholl.

 
weitere Stationen: The National Museum of Photography, Kopenhagen,13. Februar – 9. Mai 2009, Abecita Corsettfabrik Konstmuseum, Borås, Schweden, 28. Mai – 6. September 2009
Karl Blossfeldt

Cuny Janssen
Portraits und Landschaften

Raum 3

24. September 2011
bis 5. Februar 2012

William Guerrieri
Il Villaggio / The Village

Raum 2

2. Dezember 2011 bis 5. Februar 2012

Öffentliche Führungen

Sonntag, 5.2.2012, 15 Uhr
Eintritt + 2 Euro Führungsgebühr

Führungen für Kinder:

Die Photo-Detektive...Wir entdecken eine Ausstellung

Eintritt + 5 Euro Materialkosten

An drei Samstagen während der Laufzeit

AUSSTELLUNGSVORSCHAU

Raum 1:
Wilhelm Schürmann
Wegweiser zum Glück
Photographien einer Straße 1979-1981

Raum 2:
Petra Wittmar
Medebach 2009-2011

Raum 3:
Blick in die Sammlung
August Sander. New Arrivals

30. März bis 12. August 2012

On Tour

Joachim Brohm - COLOR

Landesgalerie Linz am Oberösterreichischen Landesmusem

10. November 2011 bis
19. Februar 2012

ON TOUR

Voyages en Italie - Photographies d'August Sander 1927 et de Ruth Hallensleben 1952


Galerie d'art contemporain "Am Tunnel", Banque et Caisse d'Epargne de l'Etat Luxembourg

30. Januar bis 17. Juni 2012

ON TOUR

Karl Blossfeldt et les naturalistes du pays de Montbéliard


Musée du Château des ducs de Wurtemberg, Montbéliard

25. Februar bis 20. Mai 2012