Archiv
best of – Blick in die Sammlung
27. Februar – 25. April 2004
Mit der Ausstellung best of stellt die Photographische Sammlung historische und zeitgenössische Werke vor, die innerhalb der vergangenen zehn Jahre erworben wurden. Ein abwechslungsreiches Spektrum verschiedener Sujets zwischen Portrait-, Industrie- oder Natur- und Sachaufnahmen wird hier aufgezeigt, das aufmerksam macht auf konzeptuelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede der jeweiligen Bildautoren. Das weit gefaßte Spannungsfeld zwischen Dokumentation und Kunst wird gleichfalls als ein offener und schöpferischer Handlungsraum anschaulich reflektiert.
Richtungsweisend für die Sammlungstätigkeit der seit 1992 bestehenden Institution sind die Ideen, die sich mit dem Begriff der sachlich-konzeptuellen Photographie verbinden -– einer Form der Bildfindung also, die unmittelbar an Lebens- und Seherfahrungen anschließt und oftmals detailliert in Form von photographischen Sequenzen umgesetzt wird. Wie vielgestaltig die zwar in einem spezifischen Zusammenhang entstandenen, aber dennoch zeitlos gültigen methodischen Ansätze sein können, verdeutlicht sich beispielsweise im Vergleich von Stadtansichten des alten Paris von Eugène Atget (1857–1927) mit Photographien von Joachim Brohm (*1955). Diese sind rund einhundert Jahre nach Atget auf einem ehemaligen Industrieareal in der Nähe von München entstanden. Beiden Photographen gemeinsam ist ein systematisches Vorgehen, ein beinahe detektivisches Auge für sich wandelnde Momente im historischen Kontext, die konsequent in klar gestalteten Bildkompositionen eingefangen werden.
Sich in der Veränderung befindliche Zeitabschnitte haben ebenso August Sander (1876–1964) und Bernd und Hilla Becher (*1931/1934) in ihren großen photographischen und kulturgeschichtlichen Entwürfen festgehalten. Sander schuf ein seine Zeit spiegelndes typologisch ausgerichtetes Portraitwerk; Bernd und Hilla Becher erarbeiteten in dieser Intention ein umfangreiches Œuvre, das seit über 40 Jahren auf die Dokumentation von Industriearchitekturen ausgerichtet ist und den Formenreichtum anonymer Funktionsbauten in Einzelbildern oder vergleichenden Reihen verdeutlicht. Beide Positionen nehmen in der Photographischen Sammlung einen besonderen Stellenwert ein. So wurde mit Gründung der Institution das August Sander Archiv mit dem weltweit größten Bestand an Originalabzügen des Photographen erworben und mit Bernd und Hilla Becher besteht eine langjährige Kooperation zur Aufarbeitung von zentralen Teilen ihres komplexen Bildbestandes.
Der Gang durch die Ausstellung verrät: Der Blick auf die Dinge, die ästhetischen Vorstellungen und Anforderungen an ein gelungenes Bild haben sich nicht zuletzt aufgrund ihrer gesellschaftlich politischen Relevanz bis heute zum Teil stark verändert und werden innerhalb der künstlerischen Konzepte mehr denn je zur Debatte gestellt.
Mit Photographien von Diane Arbus, Eugène Atget, Bernd und Hilla Becher, Lawrence Beck, Karl Blossfeldt, Christian Borchert, Natascha Borowsky, Joachim Brohm, Marcel Broodthaers, Olivier Cablat, William Christenberry, Jim Dine, Harold Edgerton, Lee Friedlander, Bernhard Fuchs, Richard Gessner, Klaus Graubner, Bettina Gruber, Ruth Hallensleben, Katja Kerstin Hock, Candida Höfer, Michael Klöpfer, Horst Lang, Elmar Mauch, Rudolf Nagel, Simone Nieweg, Albert Renger-Patzsch, Tata Ronkholz, Judith Joy Ross, Martin Rosswog, August Sander, Stephen Shore, Oliver Sieber, Rosalind Solomon, Michael Woolley.